Vorwort

Neulich habe ich zum Spaß ein richtig krass bearbeitetes Bild bei Instagram hochgeladen. Just for fun. Ich wollte wissen wie die Instagram Welt reagiert. Das Ergebnis war für mich mehr als schockierend. Statt Kritik an meinem übertrieben bearbeiteten Gesicht, habe ich von euch Lob und Begeisterung erhalten. Anschließend habe ich mich durch die Stories geschaut. Eine Bloggerin die ich bis dato sehr sympathisch fand, postete Weihnachtsgrüße die sie von ihrem Lieblingsfrisur erhalten hat. Er wünscht ihr, dass sie Kleid a in Size 0 und Kleid b ebenfalls in Size 0 bekommt. Beide Kleider kosten vermutlich das gleiche wie meine Miete für ein halbes Jahr. Und natürlich Size 0 als Erwachsene Frau. Ich war völlig perplex und konnte nicht glauben was da gerade passiert. Ich musste dringend die ganze Instagram Sache überdenken und mir bewusst werden, was ich möchte. Nicht erst 2018, sondern jetzt. Genau in diesem Augenblick. Was ich nicht möchte war mir sofort klar: Dass ihr mein völlig übertrieben bearbeitetes und krass unechtes Foto feiert & dass es heutzutage ganz normal ist sich für Instragram abzuhungern und ein Vermögen für Kleidung & Taschen etc. auszugeben. 


Luft zum atmen

Einigen von euch dürfte es vielleicht schon aufgefallen sein, dass ich aktuell weder bei Facebook noch bei Instagram bin. Auf beiden Social Media Plattformen habe ich mein Konto jetzt erstmal für unbestimmte Zeit deaktiviert. Ich brauchte einfach eine Pause von dieser wahnsinnig verrückten und manchmal auch sehr fragwürdigen Social Media Welt. Von dieser virtuellen Welt die mir manchmal die Zeit raubt. Diese komische Welt mit der ich aufgewachsen bin. Ich brauche eine Pause von dieser Welt, die sich von Tag zu Tag zu einer – für mich – immer fragwürdigeren Welt entwickelt. Ich muss wieder atmen, brauche dringend frische Luft. Ich fühlte mich wie gefangen in einer Welt in der ich eigentlich gar nicht sein will. Geboren in einer falschen Zeit die nur noch aus narzisstischen Menschen besteht. Story für Story. Bild für Bild. Es geht nur um uns selbst. Immer und immer wieder. Was wirklich wichtig ist im Leben scheinen wir vergessen zu haben. Zu beschäftigst sind wir mit dem Erstellen des perfekten Selfies. Zu beschäftigst sind wir damit den besten Filter zu kreieren. Unsere Feeds einheitlich und harmonisch zu gestalten, damit sie auch ja viele Follower anziehen. Follower die uns dabei zuschauen wie wir vermeintlich leben. Leben in unserer Blase. Die Blase die sich nur um uns selbst dreht. Und um das Zuschauen anderer wichtiger Leute, die selbst in ihrer Blase leben. Wir schauen uns gegenseitig beim Leben zu doch begrüßen uns im wahren Leben nicht einmal. Wir schmeißen mit Herzchen, Lobeshymnen und Daumen nach oben Smileys um uns und haben in der echten Welt nicht mal den Mut andere, fremde Menschen anzusprechen. Doch in der Social Media Welt machen wir – oder unsere Bots – das mit links. Wir leben in der gleichen Zeit, womöglich in der gleichen Stadt und leben doch aneinander vorbei. Wir kreieren unsere eigene kleine Blase. Eine Blase die irgendwann zu platzen droht. Eine Blase in der die Luft knapp wird. Ich brauche Luft. Luft zum atmen. 

Social Media Pause Christina Key Nacht Fotoshooting


Es war einmal

Es war ein lauer Sommermorgen als ich mit Kojo durch die Straßen von Freiburg gelaufen bin. Wir standen an der Haltestelle Johanniskirche als uns ein knallbuntes “Yum Yum” Plakat anlächelte. Dass ich von der Fotografie begeistert war, wusste Kojo. Er scherzte, dass ich vielleicht ja mal so ein Plakat gestalten werde. Er hat da so eine neue App entdeckt, die Instagram heißt auf der man seine Fotos mit der ganzen Welt teilen kann, erzählte er mir. Ich soll mir die doch holen, damit ich meine Fotos teilen kann. Er erzählte, dass diese App total coole Foto Filter hat, die ich unbedingt ausprobieren muss. Das war 2013. Er machte mich sehr neugierig und so holte ich mir diese App von der immer mehr Leute mehr als begeistert waren. Auch mich hat das Instagram Fieber gepackt und ich war total begeistert. Jeder postete schöne Urlaubsfotos, die vor allem die tolle Landschaft oder das atemberaubend toll angerichtete Essen zeigten. Zwischendurch gab es auch mal ein Selfie mit der besseren Hälfte. Die Fotos hatten oft zwar einen Farbfilter drauf aber das war’s auch schon. Echte Poren, echte Sonnenuntergänge, echte Körperformen und Essen das genau so abgelichtet wurde wie es eben war. Nichts wurde extra so hingestellt. Nichts wurde durch eine schier endlose Bearbeitungsschleife gezogen, die jede Poren, Formen, Farben und schon mal die Augenfarbe, die Helligkeit der Zähne und mehr verändert. Alles war echt. Oder in neudeutsch “Raw”. Es war wunderbar solche Fotos anzuschauen, die einfach das echte Leben zeigten. Die Realität abbildeten in ihrer ganzen Schönheit. Ohne alles. Die lachenden Gesichter – wenn es dann auch mal ein Selfie gab – waren echt. Man hatte das Gefühl ein kleines bisschen mehr dabei zu sein am Leben der Leute die man folgte. Es hat sich gut angefühlt ab und an mal einen Blick in das echte Leben anderer zu erhaschen. 

Christina Key Fotoshooting Lichterkette


Perversion

Wir kaufen heutzutage wieder vermehrt Bio Lebensmittel die echt sind. Ohne alles. Einfach so wie sie sind. Manchmal krumm und schief aber eben echt. Doch in unserem eigenen Leben wird alles immer künstlicher. Unechter. Ist es nicht auf eine Art & Weise absurd, dass wir innerlich alle nach Zufriedenheit, Glück und Gesundheit streben während wir uns immer mehr verstricken in einem gefakten Spinnennetz, das unechter nicht sein kann? Es besteht aus Selfies auf denen wir zeigen wie glücklich wir doch sind. Wie viel wir doch haben. Das perfekte Leben ist unser Leben. Gestriegelt wie ein edler Schimmel. Glattgebügelt wie das perfekte Männerhemd. Doch kommt es vor allem manchmal in den Stories durch, dass man eben nicht dieses scheinbar perfekte Leben hat. Auf Events hat man nur Best Friends, im wahren Leben muss man nach ehrlichen, gutmütigen Leuten mit der Lupe suchen. Wir geben vor in bester Gesellschaft zu sein, einer Gesellschaft in der das Leben flauschig und leicht wie Zuckerwatte ist. Jeder liebt und hilft jedem. Doch im wahren Leben haben wir nicht mal den Mut aneinander anzulächeln, einfach so. Wir haben nicht den Mut den gut aussehenden Typen da vorne in der S-Bahn anzusprechen. Oder dieses verdammt interessante Mädchen, das immer montags in den Laden kommt. In der virtuellen Bonbon Welt schmeißen wir mit Lobeshymnen und Emojis nur so um uns. Wir feuern positive Kommentare nur so ab als wäre jeden Tag Silvester. Wildfremden Leuten teilen wir mit, dass wir sie hübsch finden. In der echten Welt wird man dafür nur schief angeschaut, wenn man jemanden ein solch nettes Kommentar direkt ins Gesicht sagt. 

Wir sind so damit beschäftigt unseren Feed zu optimieren, dass wir die wirklich wichtigen Dinge im Leben einfach vergessen. Was wirklich zählt im Leben das interessiert heute keinen mehr. Wie man ein glückliches Leben und ich meine wirklich ein echt glückliches Leben führt will keiner mehr wissen. Es geht nur darum der Masse zu gefallen. Ein glückliches Leben vorzugaukeln. Einen Feed zu kreieren, der möglichst viele Follower anlockt. Follower die einem dann mit Herzen und netten Kommentaren bombardieren. Heutzutage ist derjenige gefragt, der bei diesem perversen Spiel mitmacht. Ab und an sogar einfach mal ein paar Follower dazukauft, sodass Unternehmen x diese “tolle” Reise zahlt bei der man dann wieder so macht als wäre man der glücklichste Mensch auf Erden. Als läge einem die Welt zu Füßen. So als dreht sich die ganze Welt um einen selbst. Es wird zum Spendenruf für Kinder in Not aufgerufen, aber nur weil man dafür ordentlich Kohle bekommt. Das Leid anderer bringt einem selbst eine Menge Kohle. Eine Perversion wenn ihr mich fragt. Um gutes zu tun bracht man kein Geld. Man tut es weil man es frei möchte. Weil man wirklich helfen möchte. Tief aus dem Herzen heraus. Nicht weil man noch mehr Geld benötigt, dass man dann wieder für unnötige Designer Handtaschen ausgibt, mit denen andere monatelang leben können. Geld das man ausgibt um seine Lippen abnormal fett auspritzen zu lassen. Man tut es weil es eben jeder macht und man dazugehören möchte. Bringt ja auch mehr Follower wenn man aussieht wie eine kleine Gummipuppe. Wenn man die schon hat dann nutzt man das Geld, das man durch das bewerben von Kinder in Not bekommen hat für neue Wimpern. Wimpern die allzeit bereit sind zu strahlen. Wimpern die einem immer gemacht aussehen lassen, ganz egal ob man aus der Dusche kommt oder gerade erst aufgestanden ist. 

Künstlich. Plastisch. Operiert. 


Werbung am laufenden Band

Seit ein paar Monaten gibt es die tollen Werbeeinblendungen auf Instagram. Ständig sieht man sie. Wenn man die Stories schaut, durch den Feed scrollt, sie sind immer da. Doch nicht nur von irgendwelchen Unternehmen sieht man Werbung, nein. Auch gefühlt mehr als jeder 2. Instagram User macht regelmäßig Werbung für irgendwelche Produkte. Ich schließe mich hierbei nicht aus, denn ab und an mache ich auch Werbung. Daran ist auch nichts verwerflich meiner Meinung nach. Doch wenn eine Plattform sich immer mehr zu einem Teleshopping Kanal verwandelt und man kaum noch ungesponserte Beiträge sieht, wird es verwerflich. Konsum, Konsum, Konsum, Werbung, Werbung, Werbung heißt es heute. Früher hieß es auf Instagram Inspiration, Inspiration, Inspiration. Klar, Werbung kann auch inspirieren wenn sie richtig gemacht wird, doch meistens sehen alle Werbeposts einfach nur fragwürdig aus. Und überhaupt: Werbung am laufenden Band gibt es schon im Fernsehen und Radio. Oder im Kino. Auch inzwischen bei Facebook. Klar, auch hier auf dem Blog mache ich Werbung. Aber die Sache ist die: wollen wir auf jeder Plattform, bei jeder App rund um die Uhr mit Werbung bombardiert werden? Ich verneine hier ganz klar, denn vor allem Instagram habe ich früher gerne genutzt um Leuten die mich inspirieren ein bisschen näher zu sein. Oder zumindest das Gefühl zu haben. Sicherlich habe ich mir die App damals nicht gemacht um mit noch mehr Werbung zugeschüttet zu werden. Meine Synapsen verrückt machen zu lassen. Ich sage ja zur Werbung, denn es werden ja teilweise auch wirklich tolle Produkte beworben. Aber bitte mit Sahne in Maßen!

Christina Key Portrait mit Lichterkette


Abschied auf unbekannte Zeit

Bis jetzt habe ich euch fast all meine Gedanken zum Thema Social Media Pause ausgeschüttet. Ich habe mich – ohne es davor anzukündigen – einfach bei Facebook und Instagram für unbestimmte Zeit deaktiviert. Die Luft zum Atmen wurde bei mir knapp. Ich habe zu viel Zeit damit verbracht andere bei ihrem vermeintlich glücklich perfekte Leben zuzuschauen anstatt mein eigenes zu leben. Tag für Tag habe ich mich Stunde um Stunden von meinen eigenen Leben verabschiedet. Ganz unbewusst aber mit dramatischen Folgen. Ich fühle mich ausgelaugt, ein bisschen beschissen, verarscht un einfach nicht mehr Wohl mit dieser ganzen Fake Bonbon Glitzer Welt. Ich brauche dringend eine Pause und möchte wieder eintauche in das echte Leben. Ganz “Raw” ungefiltert und echt. Ganz real. Ich möchte mehr Zeit haben für wirklich wichtige Dinge im Leben. Glücklich sein. Zufrieden sein mit dem was ich habe und so wie ich aussehe. Unoperiert, unaufgespritzt, ohne Fake Lashes. Wenn man ständig mit solchen Sachen konfrontiert wird, findet man es irgendwann selbst schön. Soweit möchte ich es nicht kommen lassen, denn diese ganze Fake Welt ist einfach nur absurd. Ein Leben voller Perfektionismus, dem Streben nach immer mehr Followern, mehr Produkten und noch mehr Optimierungswahn möchte ich nicht. Ich möchte stattdessen mehr Inspiration, mehr echtes Glück, mehr Unperfektheit und mehr echte Emotionen. Mehr Positivität, mehr Liebe und zwar im echten Leben.

Sicherlich werde ich mich von Facebook und Instagram nicht für immer verabschieden, denn natürlich haben diese beiden Social Media Plattformen auch Vorteile. Und natürlich treffen meine heutigen Gedanken auch nicht auf alle Instagram User zu. Aber ich wage zu behaupten auf die meisten. Glücklicherweise gibt es auch Ausnahmen. So habe ich durch Instagram zum Beispiel Dico kennengelernt der die Fotos in diesem Beitrag von mir gemacht hat. Die – zugegebenermaßen – echt lustig sind, denn sie zeigen mich, obwohl ich vom Selfie Wahn etc. gesprochen habe. Sie sind aber so toll geworden, dass ich sie gerne hier eingefügt habe. Weil sie so leicht geheimnisvoll wirken, was ich sehr passend zu diesem Artikel fand.

Nun, ich werde wieder kommen, weiß nur noch nicht wann. Habt keine Angst liebe Leute, die mir heute schon ganz geschockt eine Email geschrieben haben – was mich zugegebenermaßen sehr gefreut aber auch gewundert hat. Ich dachte nicht, dass euch meine “Instagram Aktivität” so wichtig ist. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich meinem Account erst einmal einen Frühjahrsputz verpassen. Künstlichen Leuten entfolgen und ein neues Kapitel beginnen. Diesen Blog hier werde ich natürlich weiter führen. Und ihr werdet sehen, dass es aufgrund meiner Social Media Pause definitiv mehr großartigen Content geben wird. Ich kann meine Zeit jetzt nun in sinnvollere Projekte stecken anstatt mich nur von unechten Stories und Werbewellen berieseln zu lassen. Ich weiß nicht ob ich mit diesem Artikel jetzt übertrieben habe, ich mit Instagram einfach nicht umgehen kann, den falschen Leuten gefolgt bin oder einfach nicht mitspielen kann bei diesem virtuellen Kram. Ich weiß jedoch zu 100%, dass ich dringend eine Pause davon brauche. Eine Pause für frischen, fotografischen Wind & neuer Inspiration. Inspiration ganz analog aus Zeitschriften und Büchern!

Ich freue mich auf diese Zeit und kann es kaum erwarten endlich wieder richtig atmen zu können. Bis dahin wünsche ich euch einen fantastischen Start in das neue Jahr 2018! Wir sehen uns bald schon wieder! 🙂

Pailletten Oberteil kombiniert mit Jeans

XoXo Christina Key

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